21.07.2012 | Texte & Aufrufe

Redebeitrag zum GelöbNIX 2012

Von: Revolutionäre Perspektive Berlin

Der neue Bun­des­prä­si­dent Gauck steht ganz im Diens­te der Kriegs­pro­fi­teu­re und pro­pa­giert ein neues, altes Hel­den­bild: »Frei­heit ist ohne Ver­ant­wor­tung nicht zu haben (…) Hier in der Bun­des­wehr tref­fe ich auf Men­schen mit der Be­reit­schaft, sich für etwas ein­zu­set­zen – ge­wis­ser­ma­ßen auf »Mut-​Bür­ger in Uni­form!« Mit die­sen Aus­sa­gen ver­such­te er am 12.​6.​2012 in der Ham­bur­ger Füh­rungs­aka­de­mie der Bun­des­wehr die Be­völ­ke­rung zu in­dok­tri­nie­ren. Wei­ter sagte Gauck: »Wir den­ken eben nicht gerne daran, dass es heute in un­se­rer Mitte wie­der Kriegs­ver­sehr­te geben kann (…) und noch viel we­ni­ger gerne den­ken wir daran, dass es wie­der deut­sche Ge­fal­le­ne gibt. Das ist für un­se­re glücks­süch­ti­ge Ge­sell­schaft schwer zu er­tra­gen.« Das heißt kurz und knapp: das Ster­ben für Deutsch­land soll wie­der zur Ge­wohn­heit wer­den.

Wofür das Mi­li­tär ein­ge­setzt wird zei­gen Do­ku­men­te wie die Ver­tei­di­gungs­po­li­ti­schen Richt­li­ni­en von 2011. Dort wer­den Auf­trag und Auf­ga­ben der Bun­des­wehr ein­deu­tig for­mu­liert. Darin heißt es: »Deut­sche Si­cher­heits­in­ter­es­sen er­ge­ben sich aus un­se­rer Ge­schich­te, der geo­gra­fi­schen Lage in der Mitte Eu­ro­pas, den in­ter­na­tio­na­len po­li­ti­schen und wirt­schaft­li­chen Ver­flech­tun­gen des Lan­des und der Res­sour­cen­ab­hän­gig­keit als Hoch­tech­no­lo­gie­stand­ort und roh­stoff­ar­me Ex­port­na­ti­on.«

Eine zen­tra­le Auf­ga­be der Bun­des­wehr ist die Kon­trol­le und Si­che­rung des Welt­han­dels und der welt­wei­ten In­ves­ti­tio­nen. Sie soll dort schnell ein­grei­fen, wo der welt­wei­te Kreis­lauf von Gü­tern, Diens­ten und Geld ge­fähr­det scheint. Ins­be­son­de­re die En­er­gie­si­cher­heit hat sich an­ge­sichts knap­per wer­den­der Res­sour­cen, zu einem wich­ti­gen Be­reich der deut­schen so ge­nann­ten Si­cher­heits­po­li­tik ent­wi­ckelt. Die EU wird im Jahre 2030 zu 70 Pro­zent von En­er­gie­im­por­ten ab­hän­gig sein. Die mo­der­ne ka­pi­ta­lis­ti­sche Wirt­schaft ist in hohem Maße von fos­si­ler En­er­gie ab­hän­gig. Erdöl ist nicht nur die Grund­la­ge von Treib­stoff für Autos, Flug­zeu­ge und Schif­fe. Erdöl ist auch einer der wich­tigs­ten Roh­stof­fe für in­dus­tri­ell ge­fer­tig­te Waren, wie Plas­tik­pro­duk­te, Tex­ti­li­en und Phar­ma­zeu­ti­ka. Im Weiß­buch 2006, das vom Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­ri­um her­aus­ge­ge­ben wurde, ste­hen die En­er­gie­fra­gen für die glo­ba­le »Si­cher­heit« im Mit­tel­punkt. Nicht nur der di­rek­te Zu­griff auf die Roh­stof­fe, son­dern auch die Trans­port­we­ge sind dabei von ent­schei­den­der Be­deu­tung. Denn Öl­ex­por­t­rou­ten ver­lau­fen zum Teil durch geo­gra­phi­sche Na­del­öh­re wie die Stra­ße von Hor­mus.

Deut­sche Un­ter­neh­men pro­fi­tie­ren auch ganz un­mit­tel­bar in Form von Auf­trä­gen von der Zu­nah­me der Kriegs­ein­sät­ze. Denn die Nach­fra­ge nach Waf­fen und Kriegs­lo­gis­tik steigt. Neben gro­ßen Rüs­tungs­kon­zer­nen wie EADS, der Rhein­me­tall AG und Krauss Maf­f­ei Weg­mann sind auch mit­tel­stän­di­sche Un­ter­neh­men wie zum Bei­spiel die würt­tem­ber­gi­sche Firma Kärcher Lie­fe­ran­ten der Bun­des­wehr. Kärcher stat­tet bei­spiels­wei­se die Feld­la­ger der Bun­des­wehr in Af­gha­nis­tan aus.

Die von west­li­chem Mi­li­tär be­setz­ten Län­der wer­den einem neo­li­be­ra­len Umbau un­ter­zo­gen. Staats­ei­gen­tum wird pri­va­ti­siert und aus­län­di­sche In­ves­ti­tio­nen wer­den er­leich­tert. Die so­zia­le Lage der Be­völ­ke­rung ver­schlech­tert sich durch diese Maß­nah­men. Bei­spie­le hier­für sind Af­gha­nis­tan und Ko­so­vo. In Af­gha­nis­tan wurde 2003 mit der Af­gha­nis­tan In­vest­ment Sup­port Agen­cy eine ei­ge­ne Agen­tur zur Un­ter­stüt­zung von In­ves­to­ren ge­grün­det. Der af­gha­ni­sche Prä­si­dent Kar­sai wirbt auf der In­ter­net­sei­te mit dem Slo­gan: Af­gha­nis­tan ist heute ein Land mit zahl­lo­sen Ge­schäfts­mög­lich­kei­ten. Tat­säch­lich bie­tet Af­gha­nis­tan für aus­län­di­sche Un­ter­neh­men viele Vor­tei­le. Die Prin­zi­pi­en einer frei­en Markt­wirt­schaft wur­den auch in der af­gha­ni­schen Ver­fas­sung ver­an­kert. In Af­gha­nis­tan la­gern zudem rie­si­ge Roh­stoff­vor­kom­men wie zum Be­spiel Kup­fer und Sel­te­ne Erden, deren Wert auf min­des­tens drei Bil­lio­nen Dol­lar ge­schätzt wer­den.

Auch der Ko­so­vo bie­tet für aus­län­di­sche Un­ter­neh­men äu­ßerst vor­teil­haf­te Ge­schäfts-​ und In­ves­ti­ti­ons­be­din­gun­gen. Es herr­schen nied­ri­ge Steu­er­sät­ze, die Kör­per­schafts­steu­er wurde auf 10 Pro­zent ge­senkt. Der Ko­so­vo ver­fügt au­ßer­dem über eines der li­be­rals­ten Han­dels­re­gime in Eu­ro­pa. Alle diese Maß­nah­men wur­den von der UN-​Be­sat­zungs­be­hör­de UNMIK dik­tiert. Ko­so­vo ist zwar seit 2008 for­mal un­ab­hän­gig, steht aber wei­ter unter in­ter­na­tio­na­ler Be­ob­ach­tung. Auch in Af­gha­nis­tan wer­den über das Jahr 2014 hin­aus Ein­hei­ten der Bun­des­wehr sta­tio­niert blei­ben.

Zu­neh­men­de Kriegs­ein­sät­ze und die Mi­li­ta­ri­sie­rung der Ge­sell­schaft hän­gen un­mit­tel­bar mit der herr­schen­den ka­pi­ta­lis­ti­schen Ord­nung zu­sam­men. Der Kampf gegen den welt­wei­ten Kriegs­zu­stand kann somit nur in Ver­bin­dung mit einer kon­se­quen­ten Geg­ner­schaft des glo­ba­len Ka­pi­ta­lis­mus er­folg­reich sein. Die ka­pi­ta­lis­ti­sche Logik von Pro­fit­ma­xi­mie­rung und Kon­kur­renz führt zu Krieg und Zer­stö­rung. Wir be­kämp­fen diese Ge­sell­schafts­ord­nung und set­zen uns für die re­vo­lu­tio­nä­re Ver­än­de­rung der be­ste­hen­den Ver­hält­nis­se ein. Eine Ge­sell­schaft ohne Krieg, Aus­beu­tung und Un­ter­drü­ckung ist nur mög­lich, wenn wir die ka­pi­ta­lis­ti­sche Herr­schaft stür­zen. In un­se­rem Kampf für eine klas­sen­lo­se Ge­sell­schaft füh­len wir uns ver­bun­den mit allen lin­ken und fort­schritt­li­chen Be­we­gun­gen welt­weit, die für den Auf­bau einer be­frei­ten Ge­sell­schafts­ord­nung ein­tre­ten.

Krieg dem im­pe­ria­lis­ti­schen Krieg! Ka­pi­ta­lis­mus zer­schla­gen! Für den Kom­mu­nis­mus!

Tags: Antimilitarismus, Bundeswehr, Krieg

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